• Thea Wulff

Ein achtsamer Blick auf die Zeit

Finde heraus welcher Zeittyp du bist und wie du für eine ausbalancierte Zeitperspektive sorgen kannst.

Die Zeit teilt sich in drei Bereiche: Die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Der Blick auf alle drei Bereiche kann uns Kraft, Energie und Motivation verleihen. Doch wenn ein Bereich dominiert, bremst uns das eher aus. Deshalb ist es wichtig zunächst zu erkennen, welcher Bereich in deinem Leben eine zu große Rolle spielt. Im zweiten Schritt schauen wir uns dann an, wie du den Blick auf die anderen Bereiche der Zeit stärken kannst und somit wieder zu einem ausgeglichenen Blick auf die Zeit gelangst.


Schauen wir uns zunächst die drei Bereiche genauer an:


Die Vergangenheit

In der Vergangenheit sehen wir unser Fundament und lernen: Wir sehen, was wir alles schon erreicht und gelernt haben, worauf wir vertrauen können, was funktioniert und was weniger funktioniert und lernen daraus. Wir sehen, welche Menschen uns in unserem Leben begleitet haben, auf was wir bauen können. Daraus können wir im besten Fall Zuversicht, Hoffnung, Stabilität, Sicherheit und Vertrauen ableiten. Menschen, die sich viel mit der Vergangenheit beschäftigen sind daher oft eher stabile Persönlichkeiten mit einem starken Fundament und stabilen Beziehungen. Sie zeigen vielfach auch ausgeprägte Fähigkeiten im Reflektieren.


Aber: Wenn Menschen zu sehr in der Vergangenheit verhaftet sind, können sie sich nur schwer auf Neues einlassen und haben mit Veränderungen und Anpassungen eher Probleme, weil sie das Vergangene nicht loslassen können. Typische Sätze sind dann „Früher war eh alles besser“ oder „Früher haben wir das auch so gemacht“. Auch das Hier und Jetzt zu genießen fällt diesen Menschen oftmals schwer, weil der Moment sofort mit vielleicht noch schöneren Momenten in der Vergangenheit konkurrieren muss. Eine weitere Folge des Verharren in der Vergangenheit kann die Unfähigkeit oder der Unwille der eigenen Veränderung sein. Statt Neues auszuprobieren und alternative Verhaltensweisen zu finden, suchen diese Menschen lediglich nach Ursachen für ihr Verhalten in der Vergangenheit („Ich bin halt so. Ich war schon als Kind so. Meine Eltern haben mir einfach immer wieder gesagt…“) und nutzen diese dann als entschuldigende Begründung für ihr Verhalten.


Die Gegenwart

In der Gegenwart leben und erleben wir: Genießen, freuen, lieben, Spaß haben, Nähe spüren, entspannen, feiern, Entscheidungen treffen, leben, erleben … all das können wir nur im Hier und Jetzt. Momente, die das Leben lebenswert machen und uns das Gefühl Glück spüren lassen, können wir nur mit einem guten Blick auf die Gegenwart kreieren. Menschen, die im Moment leben, haben daher die großartige Fähigkeit das Leben wirklich zu genießen, sind oftmals sehr flexibel und anpassungsfähig und empfinden große Freude daran, Neues auszuprobieren.


Aber: Wenn nur noch das Jetzt und Hier gilt, also der Zeit-Bereich „Gegenwart“ zu dominant wird, dann neigen Menschen dazu unangenehme oder schwierige Dinge aufzuschieben: „Ach komm, jetzt lass uns erstmal ein Eis essen und dann sehen wir weiter…“ oder „Ja, ja. Ich weiß, dass das wichtig ist. Ich schau’s mir morgen an.“ Die Folge ist, dass Menschen mit einem zu starken Fokus auf die Gegenwart nicht voran kommen und Schwierigkeiten haben langfristige Ziele zu erreichen. Im schlimmsten Fall schieben sie die unangenehmen Dinge des Lebens so lange vor sich her bis sich die Probleme zu einem Mount-Everest aufgetürmt haben. Bei Menschen mit einer zu starken Gegenwartsperspektive zeigt sich oft auch eine fehlende Impulskontrolle. Spontankäufe, obwohl der Kontostand davon abrät, oder die Bearbeitung von zwanzig tollen Ideen gleichzeitig, von denen keine final umgesetzt werden, sind die Folge. Auch die Stabilität von Beziehungen kann unter einer Gegenwartsdominanz leiden. Denn diese Menschen tendieren auch gern dazu, sich voll und ganz auf gerade eben kennengelernte, spannende Menschen voll und ganz einzulassen und „alte“ Freund*innen eher links liegen zu lassen.


Die Zukunft

In der Zukunft finden wir unseren Antrieb und die Lösung von Problemen: Die Antwort, warum oder wofür wir Dinge tun, liegt immer in der Zukunft. Der Blick auf diesen Bereich ist damit ein enormer Motor für uns. Er verleiht uns Ausdauer und Durchhaltevermögen, macht uns belastbar und erfolgreich. Menschen, die sich viel mit der Zukunft und Zielen beschäftigen, haben damit auch eine starke Orientierung, einen hohen Drang sich selbst oder Dinge zu verbessern und erreichen oft ein hohes Umsetzungstempo. Denn in der Zukunft können wir Dinge besser machen und ausschließlich liegt die Lösung eines Problems.


Aber: Wenn Menschen zu sehr mit Zukunftsgedanken beschäftigt sind, verlieren sie das Präsenzgefühl. Sie können nur schwer den Moment und das Leben genießen und zufrieden sein, mit dem, was sie jetzt gerade haben oder sind. Es besteht das Risiko sich in Wenn-Dann-Schleifen zu verlieren: „Wenn ich erst mal diesen Karriereschritt erreicht habe, dann wird alles gut.“ oder „Wenn ich erstmal 10 Kilo abgenommen habe, dann wird mein Leben viel besser.“ oder „Wenn ich erstmal dieses Projekt überstanden habe, dann gehe ich auch wieder zum Yoga.“ Menschen mit einer zu starken Zukunftsorientierung kommen nie wirklich an. Nach dem Projekt ist vor dem Projekt. Für Pausen, Erfolge feiern oder gar auf den Lorbeeren ausruhen ist keine Zeit. Die Gefahr einer Überlastung, weil zu viel in einem zu hohen Tempo gleichzeitig erledigt werden muss, ist groß.

Die Zukunft ist unserer Leistungsgesellschaft meist die dominante Perspektive beim Betrachten der Zeit. Das lässt sich in fast allen Lebensbereichen beobachten - nicht nur bei der Arbeit. Wie motivieren wir beispielsweise unsere Kinder dazu, ihre Hausaufgaben zu machen? Leider nicht so: „Hey, das ist ein total spannendes Thema. Das macht bestimmt viel Spaß sich damit zu beschäftigen… “ (Gegenwarts-Perspektive). Sondern so: „Du musst aber deine Hausaufgaben machen. Du willst doch später mal einen guten Job haben und gutes Geld verdienen…“



Welcher Zeittyp bist Du?

Und nun? In welchem Bereich der Zeit hast du dich am ehesten wieder gefunden? In allen drei? Dann ist alles schön. Dein Umgang mit der Zeit ist ausbalanciert und du kannst aus allen drei Bereichen Kraft, Energie und Motivation ziehen. Wenn nicht, dann beobachte Dich einmal selbst: Welcher Bereich der Zeit spielt in Deinem Leben die größte Rolle und welcher könnte vielleicht ein wenig wachsen? Sprich mit anderen Menschen darüber, wie sie dich im Umgang mit der Zeit erleben und finde heraus, welchen Zeit-Bereich du vielleicht ein wenig stärken solltest.



Wenn du soweit bist, nimm dir ein kleines Büchlein und finde jeden Abend neue Antworten auf die Fragen zur jeweiligen Zeitperspektive, die du stärken möchtest. Du musst auch nicht jeden Abend alle Fragen beantworten. Aber wenigstens ein paar. Es geht darum, deinen Fokus ein wenig zu bewegen, in dem du dich mit einer bestimmten Perspektive auf die Zeit intensiv beschäftigst. Befolge dieses Ritual für zunächst zwei Wochen und reflektiere anschließend, wie sich dein Blick auf die Zeit-Bereiche verändert hat. Haben sich deine Gedanken zu bestimmten Ereignissen und Situationen verändert? Hat sich dein Verhalten verändert? Schreibe auch dazu deine Gedanken und Beobachtungen auf.

Schreibe dann noch für vier weitere Wochen jeden Abend deine Antworten in dein Büchlein und schaue anschließend noch ein weiteres Mal auf deinen Blick auf die Zeit. Du kannst das kleine Ritual gern noch danach weiter fortführen. Denn du wirst sehen: Die tägliche Beantwortung der Fragen führen ganz nebenbei auch zu mehr Achtsamkeit, Dankbarkeit, Zufriedenheit und Energie in deinem Leben.


Fragen für Menschen, die ihren Blick auf die Vergangenheit stärken wollen:

(Du kannst für die Fragen jeden Tag unterschiedliche Zeitspannen wählen: Also zum Bespiel: Was habe ich heute erreicht? Was habe ich in der vergangenen Woche erreicht? Was habe ich im letzten Jahr erreicht?

  • Was habe ich erreicht/geschafft?

  • Was habe ich gelernt?

  • Wenn ich gerade ein Problem habe: In welcher ähnlichen Situation war ich bereits in meinem Leben und wie habe ich damals das Problem gelöst?

  • Welche Erfahrungen aus der Vergangenheit kann ich für aktuelle Herausforderungen nutzen?

  • Ein Mensch, der mein Leben beeinflusst hat:

  • Worauf bin ich stolz?

  • Auf welchen schönen Momente kann ich zurückblicken?

  • Was habe ich, was mir niemand mehr nehmen kann?

  • Wenn ich mein gesamtes Leben in einem Fotoalbum darstellen würde, welches wären die schönsten Fotos?

  • Ein Schritt oder eine Entscheidung, der wichtig war, um heute hier zu sein:

  • Eine schöne Kindheits- oder Jugenderinnerung:


Fragen für Menschen, die ihren Blick auf die Gegenwart stärken wollen:
  • Wie geht es mir gerade?

  • Wie fühle ich mich?

  • Wie fühlt sich mein Körper an?

  • Was ist heute wichtig? Was ist jetzt wichtig?

  • Was brauche ich?

  • Für was bin ich dankbar?

  • Was kann ich jetzt tun, um etwas zu verändern?

  • Was ist gerade schön? Was ist gerade gut?

  • Welche Entscheidung kann ich jetzt treffen?

  • Was tut mir jetzt gut?

  • Was habe ich heute erreicht/geschafft?

  • Was waren die drei schönsten Dinge vom Tag?


Fragen für Menschen, die ihren Blick auf die Zukunft stärken wollen:
  • Was will ich morgen?

  • Welche langfristigen Ziele möchte ich erreichen?

  • Wie wird mein Leben aussehen, wenn ich eins der Ziele erreicht habe?

  • Wie soll mein Leben in 1, 3, 5 Jahren aussehen?

  • Welche Schritte sind notwendig, um meine Ziele zu erreichen?

  • Was kann ich morgen umsetzen, um meinen Zielen einen Schritt näher zu kommen?

  • Was will ich noch lernen?

  • Worauf freue ich mich?

  • Was werde ich tun, damit diese Dinge auch eintreten?

  • Was kann ich morgen anders machen?


Wenn Du Fragen hast, schreib mir gern in die Kommentare oder erzähl mir und anderen davon, wie es bei Dir funktioniert oder auch welche Tipps und Tricks Du noch hast.

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